ChatGPT Ads im DACH-Raum

Google Ads auf Crack?

Seit diesem Herbst schalte ich für verschiedene Kunden Werbung auf ChatGPT, nachdem OpenAI seinen Ads Manager am 31. August für europäische Werbekunden geöffnet hat. Die bisherigen Ergebnisse sind beeindruckend. Und nach Jahren der Betreuung von Online-Werbekampagnen ist es eine willkommene Abwechslung, wie einfach sich Anzeigen hier einrichten und verwalten lassen.

In diesem Beitrag erkläre ich, wie Werbung auf ChatGPT funktioniert und warum Googles Tage als weltweit führende Werbeplattform meiner Meinung nach gezählt sein könnten.

Warum Google-Suchanzeigen bisher so schwer zu schlagen waren

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen Orangen. Auf TikTok oder Instagram können Sie mit hübschen Anzeigen Lust auf Ihr Produkt machen: frisch geerntete Früchte, Sonnenlicht zwischen Orangenbäumen, ein Glas Saft, das einem praktisch aus dem Bildschirm entgegenfließt… Mit der richtigen Gestaltung und einem überzeugenden Angebot kann solche Werbung sehr gut funktionieren.

Zuerst müssen Sie aber jemanden unterbrechen, der gerade mit etwas anderem beschäftigt war (sprich: scrollen). Dann müssen Sie genug Interesse wecken, damit diese Person Ihre Website besucht, sich am gefürchteten DSGVO-Cookie-Banner vorbeikämpft und tatsächlich etwas kauft.

Mit Google-Suchanzeigen erreichen Sie hingegen jemanden, der „Orangen online kaufen“ eingibt. Diese Person will Ihr Produkt bereits. Noch besser: Sie weiß sogar schon, dass sie Ihr Produkt will. Sie müssen also nicht erklären, warum Orangen das Leben besser machen, und können sich darauf konzentrieren, warum es gerade Ihre Orangen sein sollten.

Diese Kaufabsicht ist ein wesentlicher Grund, warum Google Ads für viele Werbetreibende so gut funktioniert. Meiner Erfahrung nach lagen die Kosten pro Akquisition dort meist deutlich unter denen auf Social-Media-Plattformen.

ChatGPT Ads verbinden Kaufabsicht mit Kontext

Stellen Sie sich nun vor, Ihr potenzieller Orangenkäufer führt ein Gespräch mit einem Sprachmodell, statt einen Suchbegriff aus drei Wörtern einzugeben. Er erklärt, dass er Obst für sein Büro in Berlin bestellen möchte. Das Team besteht aus 20 Personen, die Lieferung soll montags ankommen und am liebsten wäre ihm Bio-Obst. „Orangen online kaufen“ wirkt da plötzlich wie ein ziemlich unvollständiges Briefing!

Genau das macht Werbung in KI-Chats so interessant. Aus einem Gespräch lässt sich erkennen, was jemand braucht, warum er es braucht und welche praktischen Details seine Entscheidung beeinflussen könnten.

Laut OpenAIs Erklärung zur Anzeigenauslieferung berücksichtigt die Auswahl der Anzeigen den Gesprächskontext und die Absicht des Nutzers sowie die Anzeige selbst, ihre Landingpage und weitere Relevanzsignale:

„Anzeigen in ChatGPT helfen Werbetreibenden, Menschen während ihrer Recherche, ihres Vergleichs und ihrer Entscheidungsfindung innerhalb einer durchgängigen Unterhaltung zu erreichen. ChatGPT Ads berücksichtigt den Kontext der aktuellen Unterhaltung und bei aktivierter Anzeigenpersonalisierung ausgewählte Signale aus der sonstigen Nutzung von ChatGPT. So können relevante, hilfreiche Werbebotschaften passend zu den jeweiligen Zielen der Nutzenden ausgespielt werden.“

Natürlich berücksichtigen auch Googles Werbesysteme mehr als nur Keywords. Doch die Details, die Menschen im Gespräch mit ChatGPT freiwillig nennen, bieten die Chance, eine Anzeige genau dann zu zeigen, wenn sie besonders nützlich ist. Und OpenAIs Algorithmus scheint zu wissen, wie er diesen Vorteil nutzen kann. In meinen bisherigen Kampagnen waren die Klickraten genauso hoch wie bei Google, wenn nicht höher. Noch mehr beeindrucken mich die Kosten pro Akquisition: Neue ChatGPT-Kampagnen erreichen bereits niedrige CPAs, für die bei Google Ads oft wochenlange Optimierung nötig war.

Das sind Beobachtungen aus meinen eigenen Kampagnen, mit einem momentan noch stark begrenzten Betrachtungszeitraum. Aber sie sind vielversprechend genug, um diese Plattform ernst zu nehmen.

Kann man in Deutschland, Österreich und der Schweiz Werbung auf ChatGPT schalten?

Ja. OpenAI hat ChatGPT Ads auf 31 europäische Märkte ausgeweitet. Seit dem 31. August 2026 können Werbetreibende ihre Kampagnen dort selbst über den Ads Manager einrichten. Dazu zählen auch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Braucht man dafür überhaupt noch einen Berater?

Google Ads bietet genügend Einstellungen, Empfehlungen und Kampagnentypen, um eine ganze Generation von Suchmaschinenmarketing-Beratern zu beschäftigen. Mich eingeschlossen. Und meiner bescheidenen Meinung nach wirken manche Empfehlungen von Google eher darauf ausgerichtet, die Werbeausgaben zu erhöhen als deren Ertrag.

Ohne Erfahrung kann es schwierig sein, herauszufinden, welche Einstellungen zu einer Kampagne passen und welchen Unterschied sie tatsächlich machen. „Ich dachte, das kann ich selbst“ habe ich schon von mehr als einem Kunden gehört, der erst sein Budget verbrannt und sich dann an einen Berater gewandt hat.

Bei ChatGPT Ads habe ich andere Erfahrungen gemacht. Sobald das Konto eingerichtet ist und die Werbemittel bereitstehen, lässt sich eine Kampagne in wenigen Minuten anlegen, mit erfrischend wenigen Einstellungen. Für Berater ist der geringere Arbeitsaufwand vielleicht nicht ideal, für Werbetreibende aber sicher ein Vorteil.

So schalten Sie Werbung auf ChatGPT

Zunächst müssen Sie im OpenAI Ads Manager ein Werbekonto eröffnen und verifizieren. Ich empfehle außerdem, Conversion-Tracking einzurichten, um Käufe und andere wichtige Aktionen auf Ihrer Website zu messen. OpenAI stellt dafür ein Tracking-Pixel und eine Conversions API bereit. Zusätzlich können Sie Ihre Anzeigen-URLs mit UTM-Parametern ergänzen, um die Zugriffe in Ihrer bestehenden Webanalyse auszuwerten.

Eine Kampagne einzurichten, ist dann relativ unkompliziert:

  1. Kampagnenziel und Budget wählen: Aktuell stehen Views, Klicks und Conversions als Ziele zur Auswahl. OpenAIs Anleitung zur Kampagneneinrichtung nennt derzeit ein Mindesttagesbudget von 15 € für Konten in Euro.
  2. Über „Creative enhancement“ entscheiden: Mit dieser Funktion kann KI Ihre Anzeigentitel und Beschreibungen personalisieren und übersetzen. Aber aufgepasst: Die daraus entstehenden Varianten können ohne Ihre gesonderte Prüfung oder Freigabe ausgespielt werden.
  3. Zielregionen und Plattformen festlegen: Sie können Standorte auswählen und bestimmen, ob Ihre Anzeigen im Desktop-Browser, bei Android in der App oder im Browser sowie bei iOS in der App oder im Browser erscheinen sollen.
  4. Anzeigengruppen erstellen: Fassen Sie zusammengehörige Angebote zusammen und ergänzen Sie passende Kontexthinweise („Context Hints“ – mehr dazu weiter unten).
  5. Werbemittel hinzufügen: Laden Sie ein quadratisches Bild hoch und ergänzen Sie einen Titel mit bis zu 32 Zeichen, eine Beschreibung mit bis zu 54 Zeichen sowie die URL Ihrer Landingpage. Seit dem 26. Oktober stehen außerdem Anzeigen mit vier bis sechs quadratischen Bildern als offene Beta zur Verfügung.
  6. Anzeigen einreichen und im Blick behalten: Meiner Erfahrung nach geht die Prüfung meist schnell, und freigegebene Anzeigen können bereits innerhalb weniger Minuten ausgespielt werden. Mir ist außerdem aufgefallen, dass OpenAI Ads das gesamte Tagesbudget manchmal innerhalb kurzer Zeit ausgibt, statt es über den Tag zu verteilen.

So sieht die Einrichtung einer ChatGPT-Kampagne derzeit aus:

Manche neuen Konten sind zunächst auf den eigenen Heimatmarkt beschränkt. Prüfen Sie deshalb vor der Planung einer internationalen Kampagne, welche Länder für Ihr Konto freigeschaltet sind.

So nutzen Sie Context Hints für das Targeting

Eine interessante Funktion sind die sogenannten Context Hints. Statt Interessen, Keywords oder demografische Kategorien auszuwählen, beschreiben Sie einfach die Gespräche, in denen Ihr Angebot relevant sein könnte.

Für unseren hypothetischen Orangenhandel könnte das so aussehen:

Jemand sucht eine regelmäßige Obstlieferung fürs Büro, vergleicht Anbieter oder spricht über gesunde Snacks für sein Team.

Damit kann das System mehr anfangen als mit „Orangen“, weil Sie Situationen beschreiben, in denen Ihr Angebot einen konkreten Nutzen hätte.

Wie OpenAI erklärt, dienen die Hinweise lediglich als Orientierung für die Relevanz:

„Beschreiben Sie die Gespräche, Themen oder Keywords, bei denen Ihre Produkte oder Dienstleistungen relevant sein könnten. Diese Hinweise helfen bei der Zuordnung, sind aber keine Regeln für ein Targeting mit exakter Übereinstimmung.“

Die Erwähnung eines Ortes in einem Kontexthinweis ersetzt also beispielsweise nicht die geografische Ausrichtung Ihrer Kampagne.

Wie sehen Anzeigen auf ChatGPT aus?

Die Single-Image-Anzeigen, mit denen ich bisher gearbeitet habe, sind kompakt – viel Platz zu verschenken gibt es da nicht. Einige meiner besten Ergebnisse habe ich erzielt, indem ich das quadratische Bild für große, gut lesbare Schrift genutzt habe. So hat die Botschaft auch auf kleinen Screens eine bessere Chance, aufzufallen.

Natürlich hängt das Vorgehen davon ab, was genau Sie bewerben. In anderen Fällen kann ein Produktfoto besser funktionieren. Wichtig ist, dass das Motiv auch in kleiner Darstellung verständlich bleibt. Außerdem entwickelt sich die Plattform weiter: Erst diese Woche, am 26. Oktober, sind Anzeigen mit mehreren Bildern gestartet. Sie bieten mehr Platz, um Ihre Botschaft zu vermitteln.

Muss sich Google Ads Sorgen machen?

ChatGPT Ads ist derzeit die am einfachsten zu bedienende Werbeplattform, mit der ich je gearbeitet habe. Und zwar mit deutlichem Abstand. Für Werbetreibende ist das eine gute Nachricht. Für Berater, deren Hauptargument darin besteht, zu wissen, welche Knöpfe man drücken muss, vielleicht weniger.

Bei Google lohnt es sich jedenfalls, die Entwicklung zu beobachten. Nach Alphabets Quartalsbericht vom 28. Oktober berichtete Reuters von einem nachbörslichen Kursrückgang um rund 10%. Die Werbeumsätze lagen unter den Erwartungen, hinzu kamen Sorgen über die Ausgaben für KI-Infrastruktur.

Dabei ist Googles Werbeumsatz im Jahresvergleich weiterhin gewachsen. Es geht also um verfehlte Erwartungen, nicht um bereits schrumpfende Einnahmen. Ich halte es aber durchaus für möglich, dass Werbung in KI-Chats einen erheblichen Teil der Budgets anzieht, die bisher in Suchanzeigen geflossen sind. Wenn Menschen ihre Kaufentscheidungen zunehmend mit KI-Assistenten durchdenken, haben Werbetreibende einen guten Grund, dort präsent zu sein.

Ich bleibe jedenfalls dran.

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Ich unterstütze Sie bei der Kampagneneinrichtung, bei Anzeigentexten und Werbemitteln, beim Conversion-Tracking und bei der laufenden Optimierung. Kontaktieren Sie mich und erzählen Sie mir, was Sie erreichen möchten.

Die englischsprachige Version dieses Beitrags ist hier verfügbar.

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